Über dem Nebel – ein Januartag im Flüeli-Ranft

Manchmal zeigt sich das Leben nicht in großen Antworten, sondern in einem einfachen Schritt nach dem anderen.
So wie bei meinen Spaziergängen im Flüeli-Ranft. Jedes Mal, wenn ich dort gehe, geschieht etwas. Still. Echt. Berührend.

Dieses Wochenende war ich wieder dort – eingebettet in die besondere Atmosphäre des stillen Retreats, getragen von all den Menschen, die sich darauf eingelassen haben. Ein gemeinsames Feld von Präsenz, Offenheit und innerem Lauschen. Und auf diesem Spaziergang war ich in Begleitung von Heidi.

Für sie ist das stille Retreat im Januar zu einem Ritual geworden. „Wie die Magie des Dezembers“, sagte sie lächelnd,„nur verlängert.“ Ich nenne sie die Unbesiegbare – für ihre Offenheit, ihre Präsenz und die Tiefe, mit der sie sich dem Leben zeigt. Wir gingen los. Zügig, aber nicht getrieben. Ein Spaziergang, der gut drei Stunden dauern könnte – wir schafften ihn in zwei. Nicht aus Eile, sondern aus Verbundenheit mit dem Moment.

Wir waren über dem Nebel. Im Tal lag er wie ein stilles Meer, während wir blauen Himmel hatten und die Sonne unsere Gesichter wärmte. Dann begann der Nebel aufzusteigen – langsam, geheimnisvoll.

Wir gingen schweigend nebeneinander. Und als hätte der Weg Humor, erschienen plötzlich Lamas. Nicht eines, nicht zwei – gleich mehrere Ich musste schmunzeln. Früher dachte man: Um Lamas zu sehen, muss man nach Peru reisen. Heute reicht ein Spaziergang im Voralpenland.

Kurz darauf begegneten wir etwas, das ich bisher nie wirklich bewusst beobachtet hatte: Hütehunde bei der Arbeit. Konzentriert, wach, präsent. Sie sammelten die Schafe, führten sie, hielten sie zusammen – achtsam, klar, ohne eines zu verlieren. Dann wieder Stille. Pferde am Weg. Sonne im Gesicht. Und plötzlich waren wir mitten im Nebel. Man sah nur noch den nächsten Schritt. Und genau da kam diese leise Erkenntnis:
So ist das Leben oft. Man sieht nicht weit. Man weiß nicht, was kommt. Aber man geht.

Man kann müde sein. Traurig. Unsicher.

Und trotzdem geht man weiter.
Schritt für Schritt.

Wir traten aus dem Nebel heraus – und es war, als würde sich ein Vorhang öffnen.
Licht. Weite. Schönheit. Ein Moment, festgehalten von Heidi.

Ein weiterer unvergesslicher Tag dieses Retreats. Getragen von der Gemeinschaft. Von der Natur. Und von diesem stillen Raum, der entsteht, wenn Menschen gemeinsam langsamer werden. Vielleicht geht es gar nicht darum, dass immer die Sonne scheint.

Sondern darum, präsent zu sein – und Freude zu finden in jedem einzelnen Schritt.

Much Love,

Rose 🌹

Zurück
Zurück

Above the fog – a january walk in Flüeli-Ranft

Weiter
Weiter

A Gathering of Light – Der erste Kreis